Rückblick zur 1. Etappe der „Tour de Neu Wulmstorf“
Für die SPD Neu Wulmstorf begrüßte Thomas Grambow, Ratsmitglied und Vorsitzender des Bau- und Planungs-Ausschusses, herzlich die Tour-Teilnehmer*innen sowie Tobias Handtke, der erneut für das Amt des Bürgermeisters kandidiert. Beide geben aus ihrer bisherigen Erfahrung Auskunft zu den verschiedenen Stationen.
Station 1: Kreuzung am Rathaus und Marktplatz
Im Blickpunkt steht die „Zone 20“ auf der Bahnhofstraße. Diese Verkehrsberuhigung wurde eingeführt, um den zunehmenden Verkehr nach der Öffnung der A-26-Anschlusstelle Neu Wulmstorf besser zu regulieren. Der Verkehrsfluss hat eindeutig zugenommen. Nach einer Gewöhnungsphase mit reduzierter Fahrgeschwindigkeit kann heute festgestellt werden, dass die Maßnahme greift. Der Verkehr ist deutlich verlangsamt, auf Passanten wird Rücksicht genommen. Mit den Querungshilfen und der Ampel auf der Rathausseite wird der Schulweg für die Kinder sicherer gemacht.
Am Eingang der „Zone 20“ ist ein großes Metalltor mit digitalem Info-Banner installiert. Die Rathaus-Kreuzung wurde hierfür gewählt, weil Neu Wulmstorf an genau dieser Stelle die meiste Bewegung verzeichnet. Also hat man das Notwendige mit dem Nützlichen verknüpft. Eine verkehrsberuhigte Zone sollte laut Verkehrsplanern stets deutlich gekennzeichnet sein. Zusätzlich hat die Gemeinde europäische Fördergelder der „Leader-Region Rosengarten“ genutzt, um das Zone-20-Tor mit einem digitalen Info-Bildschirm auszustatten. Hier kann die Gemeinde wichtige Informationen bekanntgeben oder für die Nutzung des Wochenmarkts werben etc. Ortansässige Vereine können kostenfrei auf Veranstaltungen hinweisen, Einladungen veröffentlichen usw.
Auf dem Marktplatz brachte ein Bürger die Frage nach der Streu- und Räumpflicht ein, da u.a. hier noch verbliebenes Streumaterial aus der kalten Winterperiode in den Fugen zu sehen ist. Hierzu erläuterte Tobias Handtke die Verpflichtung der Bürger bzw. Grundstückseigentümer, selbst die Wege freizuhalten und ggf. auch verbliebenes Streumaterial einzusammeln und zu entsorgen oder wiederzuverwenden.
Station 2: Einkaufsmeile Bahnhofstraße und Gebäude der Sparkasse
Tobias Handtke berichtet, dass die Gemeinde die Immobilie der Sparkasse Harburg-Buxtehude inzwischen erworben hat. Für den Ankauf gab es verschiedene Beweggründe. Zum einen verändert sich die Handelslandschaft auch in Neu Wulmstorf. Die früher beliebten kleinen Geschäfte mit persönlicher Bedienung werden weniger frequentiert, es wird mehr digital eingekauft. Damit verändert sich das Gesicht des Ortes. Indem die Gemeinde nun Teil der Eigentümer-Versammlung geworden ist, hat sie auch ein Mitspracherecht erworben, wie die Entwicklung an dieser Stelle in Zukunft weitergeht. Denn Eigentum verpflichtet eben auch, so Tobias Handtke, mit dem eigenen Verhalten zur positiven Gestaltung der Ortsstruktur beizutragen. Ein wichtiger Grund war weiterhin, dass neue Flächen für soziale Angebote benötigt werden. Möglicherweise könnten soziale Vereine an diesem zentralen Ort einziehen, oder auch eine Tagespflege-Einrichtung oder etwas anderes aus diesem Bereich. Überlegungen wurden bereits angestellt, die Entscheidung ist aber noch offen. Wichtig sei weiterhin, gerade den Ortskern mit einem Mehrwert für die Bevölkerung weiterzuentwickeln.
Station 3: Gewerbefläche an der Kreuzung Haupt- und Bahnhofstraße
Die Genehmigung für einen Neubau des Lidl-Marktes ist inzwischen erteilt. Dazu wird das bestehende Grundstück des Marktes verwendet sowie die Freifläche daneben. An der linken Seite des Marktes (angrenzend an Ludwig Uhland-Straße) wird Lidl ein Wohngebäude errichten. Dies war eine der Voraussetzungen für die Genehmigung, da weiterhin Wohnraum im Geschossflächenbau in Neu Wulmstorf fehlt.
Ergänzend werden weitere Bauvorhaben besprochen. So berichtet Tobias Handtke, dass sich die Idee zu „Co-Working-Space“-Räumen inzwischen überholt habe. Während der Corona-Zeit boomten diese Angebote und galten als gute Idee für die Aufstockung von Supermarktflächen. Inzwischen sind viele Arbeitgeber aber wieder zur Präsenz-Pflicht zurückgegangen oder man arbeitet im Home-Office, so dass ein solches Angebot nicht mehr lohnt. Ein eindringliches Beispiel also für die schnelle Veränderung unserer Lebens- und Arbeitswelt, die es für Unternehmen und die öffentliche Verwaltung schwierig macht, stets die passenden Maßnahmen parat zu haben.
Angesprochen wird weiter, dass der bisherige P-und-R-Parkplatz auf der Südseite des S-Bahnhofs demnächst einem genossenschaftlichen Bauvorhaben weichen wird. Zu diesem Vorhaben mehr in einem weiteren „Tour de Neu Wulmstorf“-Termin.
Station 4: Glascontainer an der Theodor Storm-Straße
Dieser Standort macht deutlich, dass der Ruf nach der öffentlichen Ordnung nicht immer in die richtige Richtung geht. Die Vermüllung an dieser Stelle ist ein langandauerndes Ärgernis für Anwohner und Verwaltung. Glas- und Kleider-Container werden insbesondere dort für die widerrechtliche Müllentsorgung genutzt, wo man schnell an- und abfahren kann, erläutert Tobias Handtke, und wo es kaum nachbarschaftliche Kontrolle gibt. Dieser Standort an der Hauptstraße ist ein Paradebeispiel dafür. Fehlende Eigenverantwortlichkeit wird an solchen Orten leider auch zur „Freiheit mit Nebenwirkungen“, was gelegentlich bis zur Verwahrlosung unseres Wohlstands reicht.
Nachdem der Altkleidermarkt aufgrund des Überangebots billiger Textilien zusammenbrach, sorgte die Gemeinde bereits dafür, dass unbrauchbare Altkleider nur noch am Bauhof entsorgt werden können. Guterhaltenes solle nach wie vor bei den Sozialkaufhäusern abgegeben werden, erläutert Thomas Grambow, der im Hauptberuf Leiter des DRK im Landkreis Harburg ist und daher mitverantwortlich für das Angebot der Sozialkaufhäuser. Man ist sich in der Gruppe einig, dass ein Überangebot an geringwertigen Textilien negative Wirkungen habe, die weiter über den Neu Wulmstorfer Einflussbereich hinausreichen.
Station 5: Hallenbad Neu Wulmstorf und Debatte zum Freibad
Das Hallenbad wurde in den letzten Jahren aufwändig saniert. Die Gemeinde hat dafür viel Geld in die Hand genommen. Grund dafür ist die Entschließung des Neu Wulmstorfer Rates, dass jedes Kind vor Ort schwimmen können soll. Dieses Ziel wird erfolgreich verfolgt. Das Bad beherbergt zudem die ortsansässigen Sport- und Sozialvereine für ihre Trainings- und Gesundheitsangebote, mit sehr gutem Zuspruch aus allen Generationen.
Dass das Hallenbad so erfolgreich betrieben wird, hat allerdings Auswirkungen. Tobias Handtke berichtet, dass Bürger*innen immer wieder nachfragen, warum es „badefreie“ Zeiten zwischen der Winter- und der Sommersaison gibt. Dies liege vor allem an den Service- Notwendigkeiten. Aber eben auch daran, dass das vorhandene Personal beide Bäder abzudecken hat. Das ist in Orten mit nur einem Bad natürlich anders, und das kann deshalb nicht nachgemacht werden. Und irgendwann wollten diese Beschäftigten eben auch mal Urlaub machen.
Auch die langanhaltende Debatte um die Zukunft des Freibads kommt zur Sprache. Zur seriösen Information gehört, dass ein Bad aus dem Jahr 1962 eben seine Schwächen hat, sagt Tobias Handtke. Das wird leider oft unseriös kolportiert. Trotzdem oder auch gerade deshalb wird nach wie vor alles getan, um den Sommer-Badebetrieb weiterhin anbieten zu können. Dafür hat die Gemeinde regelmäßige Haushaltsmittel eingestellt. Allerdings könnte eben auch jederzeit der Fall eintreten, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich ist.
Für diesen Fall ist die Gemeinde in Gesprächen mit der Hansestadt Hamburg. Dafür spricht unter anderem, dass das Neu Wulmstorfer Freibad an warmen Tagen bis zu 60 Prozent von Harburger Badegästen besucht wird. Und unter dieser Bedingung erschien es dem Rat nur folgerichtig, dass eine zukünftige Investition auch die Hansestadt beteiligen muss. Eine kleine Gemeinde wie unsere sei nicht in der Lage, sagt Tobias Handtke, den Bedarf und die notwendigen Investitionen der Hansestadt auf Dauer mit abzusichern. Derzeit gibt es einen „Letter of Intent“ (LoI), also eine Absichtserklärung, dass notwendige Planungen gemeinsam erfolgen sollen. Einstweilen bleibt das Neu Wulmstorfer Freibad so wie es ist.
Station 6: Neue Grundschule am Moor
Der Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf hat vor einigen Jahren den Schulbau für die Gemeinde priorisiert: Für die Zukunft unserer Kinder nur das Beste! Es war allen klar: Das kostet Geld und geht auch auf Kosten anderer Prioritäten, wie z.B. der Straßensanierung.
Nachdem Gymnasium und Oberschule umgebaut und erweitert wurden, ging eine erhebliche Investitionssumme in den Neubau der Grundschule am Moor. Diese ist nun fertig und wird von fünfzügigen „Mini-Schulen“ belebt. Das Gemeinschafts-fördernde Konzept setzt sich in der Ganztagsbetreuung fort. Zudem wurde ein Mehrzweckraum integriert, der auch öffentlichen Veranstaltungen zur Verfügung steht. Die integrierte Großküche versorgt die Schulen sowie Kindertagesstätten mit frisch gekochtem Mittagessen, was in der heutigen Fast-food-Zeit eine wertvolle Errungenschaft darstellt.
Voraussetzung für die finanzielle Leistungsfähigkeit zum Schulbau in Neu Wulmstorf war, dass die Restfläche zwischen Schule und den Häusern in der Schillerstraße demnächst zum Verkauf angeboten wird. Zum einen ist „bezahlbarer Wohnraum“ nach wie vor notwendig. Zum anderen musste der Gemeinde-Haushalt genehmigungsfähig sein, wozu es eben auch Einnahmen braucht. Die Gemeinde muss auf die Verwertung von eigenen Grundstücken setzen, denn nur so könne man erreichen, so Tobias Handtke, dass nicht alles im Wohnungsbau den Marktgesetzen unterworfen wird, sondern die Gemeinde auch auf die bezahlbare Wohnungsbau-Struktur Einfluss nehmen kann.
Demnächst ist auch die Schule an der Heide bezugsfertig. Die Kinder können wieder dorthin umziehen. Die derzeit notwendige Fahrerei der „Eltern-Taxis“ hat also ein Ende, die Belastung der Schul-Nachbarschaft wird wieder abnehmen.
Die Neubau-Planung der Grundschule in Elstorf ist fertig. Da hierfür ein Grundstück neben dem Sportplatz genutzt wird, ist es für Elstorfer Grundschüler nicht erforderlich, nach Neu Wulmstorf zu pendeln, was von den Eltern als Erleichterung empfunden wird. Mehr dazu am 19.07.2026.
Und zu guter Letzt muss die Zukunft der alten Grundschule am Moor überdacht werden. Hier ist eine energetische Sanierung erforderlich. Das Gebäude soll weiterhin einer gemeinnützigen Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Was genau möglich ist, muss weiter geklärt werden, z.B. auch wegen Fragen zur Barrierefreiheit und zum Brandschutz.
Station 7: Marktplatz-Center
Im Jahr 2022 nutzte die Gemeinde den aktuellen Leerstand, um die Geflüchteten aus der Ukraine unterzubringen. Die vormalige Pflegeeinrichtung war geschlossen worden, nachdem sich Immobilien-Investor und Pflege-Betreiber nicht auf die notwendige Sanierung einigen konnten. Da die Gemeinde für die Unterbringung der Menschen aus der Ukraine rechtlich zuständig war, wurde mit dem Landkreis Harburg ein befristeter Nutzungsvertrag abgeschlossen. Derzeit werden unter anderem minderjährige Geflüchtete untergebracht.
In Zukunft wird das Gebäude aber keine Flüchtlings-Unterkunft bleiben, denn auch der aktuelle Gebäudezustand kann kein Dauerzustand sein. Es muss an neue Lösungen gedacht werden, wobei Angebote für die Bevölkerung priorisiert werden. Was genau sich ergeben könnte, kann jetzt aber noch nicht benannt werden. Der aktuelle Mietvertrag läuft Ende 2027 aus. Tobias Handtke ergänzt, dass man auch hier mit der Kommunalen Wohnungsbau-Genossenschaft des Landkreises (KWG) im Gespräch bleiben will, denn die Zeiten sind so und die Wohnungsbedingungen auch, dass man den Wohnungsmarkt im öffentlichen Interesse „ernsthaft mitgestalten“ können muss.
Nächster „Tour de Neu Wulmstorf“-Termin am 19.07.2026. Treffpunkt in Elstorf beim Gasthaus „Zum Florian“ um 10.30 Uhr. Gemeinsame Fahrrad-Abfahrt (bei Bedarf) vom Rathaus Neu Wulmstorf um 10 Uhr.