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Christiane Herr-Michalsky im Gespräch mit Tobias Handtke Foto: Tobias Handtke
Christiane Herr-Michalsky im Gespräch mit Tobias Handtke

5. September 2021: Christiane Heer-Michalsky im Gespräch mit Tobias Handtke

Moin Neu Wulmstorf, mit Christiane Heer-Michalsky verbindet mich das langjährige Engagement für unsere Gemeinde. Ihren Fragen an mich haben wir für Euch in Form eines Interviews verfasst. Ein Bürgermeister sollte nah bei den Menschen sein, dazu gehört es auch den Menschen besser kennenzulernen. Viele Grüße von uns und viel Spaß beim Lesen 😊

* Was war dein Schlüsselerlebnis für dein Einbringen in die Politik?

Als Jugendlicher war ich von der Geschichte der SPD in der NS-Zeit beeindruckt. Sie ist, oder besser: Ihre Mitglieder sind ihren Grundwerten der Freiheit und Demokratie auch unter Bedrohung treu geblieben. Für mich schien es schon damals in der Schule richtig, Teil einer solchen politisch geradlinigen Gemeinschaft zu sein.

* Wenn ich dich nach einem Vorbild frage, wen würdest du dann nennen? (Privat? In der Politik)

Konkrete Vorbilder habe ich eigentlich nicht. In der Politik habe ich Personen wie Helmut Schmidt für ihre Haltung bewundert. Im Alltag bewundere ich Menschen, die schwierige Situationen meistern, sich für andere einsetzen und gleichzeitig ihre eigenen Alltags-Hürden überwinden.

* Du hast vier Kinder, bist voller Engagement auch Familienvater. Wie bekommst du den Spagat zwischen Vater sein, Ehemann sein und Beruf und Politik unter einen Hut?

Was du mich jetzt fragst, müssen Frauen und Männer mit Familienverantwortung fast täglich bewältigen. Ich bin jetzt als Mann höchstens ein Einzelfall, indem mir diese Frage gestellt wird; meist werden ja nur Frauen gefragt, wie sie Beruf, Familie und Ehrenamt vereinbaren. Also ich denke, ich kriege diesen Spagat ganz gut hin. Und meine Frau und meine Kinder auch, denn sonst würden wir dieses Interview jetzt nicht führen. Ich nehme die Politik ernst und habe Freude an meiner Arbeit. Das ist immer irgendwie eine Belastung, und zwar für die ganze Familie, aber eben auch eine Bereicherung, also positiver Stress. Ich bin aber auch in der Lage, meine Zeit für die Familie intensiv zu nutzen. Das ist manchmal zu wenig, da kann ich nicht drumherum reden.

* Du hast deine Wurzeln in Neu Wulmstorf, lebst hier mit deiner Familie und kennst die vorschulischen und schulischen Einrichtungen nun aus der eigenen Perspektive und als Familienvater. Was lernst du von deinen Kindern?

Ganz ehrlich, manchmal das, was ich selbst mal gelernt habe, aber über die Jahre verloren gegangen ist, weil ich dieses Wissen im Alltag nicht gebraucht habe. 😉

Von Kindern lerne ich, dass wir uns die Begeisterung auch für die sogenannten kleinen Dinge im Leben bewahren müssen, die beim zweiten Blick oft viel bedeutsamer sind; heute nennt man das Achtsamkeit. Und Kinder führen uns auch täglich vor Augen, worauf es ankommt, nämlich Vertrauen und Ehrlichkeit.

* Du bist schon lange in der Politik - seit vielen Jahren sehr präsent in Neu Wulmstorf, im Landkreis und in der Region. Was bedeutet Motivation für dich und wie frischst du deine immer auf?

Die Motivation für meine politischen Aktivitäten kommt aus dem Bedürfnis, meine Welt und vor allem die unserer Kinder besser zu machen. Wir müssen vieles neu tun, um das alte Aufstiegsversprechen, es solle den Kindern besser gehen als den Eltern, weiterhin einzuhalten. Heute sind damit andere Herausforderungen verbunden als früher, wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Aber auch Erhalt von Existenzsicherung und sozialen Errungenschaften muss sein. Ich finde Menschen und Parteien, die das in Frage stellen, demotivierend. Ich glaube, dass es eben nicht die Gesellschaft von 1960 ist, zu der wir zurückwollen. Ich bin lange genug dabei, um zu erkennen, was sich wirklich positiv entwickelt hat, und ich weiß, welchen eigenen Anteil ich hier vor Ort daran hatte. Das ist meine Motivation, um dabei zu bleiben.

* Welchen Trick wendest du an, wenn dir keiner zuhört? :)

Stille, einfach nichts sagen… das klappt aber nicht, wenn die Kinder dir nicht zuhören.

* Was würde in einem "Beipackzettel" zu deiner Person stehen?

Puuuh, also als positive Wirkung? engagiert, begeisterungsfähig, versucht andere Menschen zu gewinnen für einen gemeinsamen Weg. Sieht die Gemeinschafft immer vor dem Individuum. Und als Warnhinweis: Achtung, Zielperson kann sich als Menschenfänger betätigen. Bei ihm geht meist niemand ohne Aufgabe aus dem Meeting.

* Welches "unnötige" Talent besitzt du?

Ich kann mit den Ohren wackeln. (lacht)

* Wofür würdest du dir gern mehr Zeit nehmen?

Für die Familie und die Kinder kann man sich nie genug Zeit nehmen.

* Was war die beste Entscheidung, die du aufgrund deines Bauchgefühls getroffen hast?

Spontan fällt mir da nichts ein. Was mir immer weiterhilft, ist mein Pragmatismus, aber auch meine Leidenschaft, mich für einen Weg zur Entscheidung einzusetzen. Nur Kopf geht nicht.

* In welchen Situationen wünschst du dir mehr Akzeptanz?

Akzeptanz anderer Meinungen und Respekt für andere fehlen mir in der Gesellschaft ganz grundsätzlich. Ich finde es richtig, wenn Entscheidungen hinterfragt und falls nötig auch kritisiert werden. Aber jeder im Job, beruflich, politisch oder privat, kennt auch die Komplexität, die oft dahintersteckt. Mit etwas weniger Hochmut und mehr Anerkennung für die Leistung anderer wären wir manchmal besser bedient.

* Womit hast du dich selbst überrascht?

Ich kenne mich eigentlich ganz gut und überrasche eher die anderen als mich selbst.

* Und hier noch ein paar Schlagworte, dein Empfinden dazu und kurze Antwort:

Familie

Das große Glück in meinem Leben

Fahrrad fahren

Sport, Freiheit, Natur, Mobilität… es verbindet sich damit für mich viel Lebensfreude

Lebenslust

Davon habe ich eine ganz Menge und bin dankbar dafür!

Klimakrise

Die Aufgabe unserer Zeit, die wir bereits in der Gemeinde angehen müssen, ohne große Tragik, sondern mit dem Bewusstsein, etwas Richtiges bewegen zu können.

Freundschaft

Echte Freundschaft zu erfahren, ist ein großes Glück.

Blick über den Tellerrand

Gemeinsamkeiten in der Region zu erkennen schafft mehr Chancen. Die Sätze: „Das Rad muss nicht neu erfunden werden und gemeinsam schafft man mehr.“ bringen es auf den Punkt.

Netzwerkarbeit

Unglaublich wichtig, nicht nur in der Politik. Nach 25 Jahren bringt sie mir wertvolle Kontakte und Erfahrungen.

Bürgermeister

Alles was ich habe und an Fähigkeiten und Eigenschaften mitbringe, auch meine Nähe zu den Menschen, will ich in dieses Amt einbringen. Ich möchte die Begeisterung für unsere Gemeinde neu wecken. Denn eines bleibt: Nur wer selbst begeistert ist, kann auch andere begeistern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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